Deutschland geht es gut! Das behaupten zumindest führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien und oberflächlich betrachtet stimmt es es wohl auch. Bei aller berechtigten Freude über die gute Entwicklung der makroökonomischen Kennzahlen (z. B. Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit) in den vergangenen Jahren (siehe: https://tivot.blog/2018/02/10/sozio-okonomische-eckdaten-deutschland/) sollte man jedoch nicht vergessen, dass folgende Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen diese Entwicklung wesentlich begünstigt haben, die von der deutschen Bundesregierung weder herbeigeführt wurden, noch durch sie beeinflussbar sind und die sich auch jederzeit wieder zu Ungunsten Deutschlands verändern können:

  • der Absturz des Euro-Wechselkurses von 1,60 USD/€ in 2008 auf zeitweise 1,05 USD/€ in 2017
  • die niedrigen Leitzinsen in der Eurozone seit 2008
  • der niedrige Ölpreis seit 2012
  • die wachsende Nachfrage nach deutscher Technologie (Autos, Maschinen) aus China und den Schwellenländern seit 2000

Diese Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen haben die ohnehin starke Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export nochmals erhöht (siehe: https://tivot.blog/2018/02/10/daten-und-fakten-zum-deutschen-ausenhandel/):

  • Deutschlands Außenhandelsquote (prozentualer Anteil des Warenexports und -imports eines Staates am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt) lag in 2016 bei 72,2%. Im Jahr 2016 exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 1.207,0 Milliarden € (2015: 1.194,0 Milliarden €) und importierte im Gegenzug Waren im Wert von 954,6 Milliarden € (2015: 949 Milliarden €).
  • In allen Jahren seit 1952 wurden mehr Waren aus Deutschland ausgeführt als eingeführt. In den dreizehn Jahren von 2004 bis 2016 lag der Handelsbilanzüberschuss dabei zwölfmal bei mehr als 150 Milliarden €. Und auch 2009 war die Handelsbilanz trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise und der hohen Exportabhängigkeit Deutschlands positiv (138,7 Milliarden €).
  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde 2016 mit 252,4 Milliarden € der bisher höchste Handelsbilanzüberschuss erzielt. Auf die beiden vorangehenden Jahre entfielen der zweit- und dritthöchste Überschuss (2015: 244,3 Milliarden €, 2014: 213,6 Milliarden €).
  • Die Ausfuhren der vier größten Warengruppen (Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse) sind wertmäßig für 51 % der Gesamtausfuhren verantwortlich. Die sieben wichtigsten Ausfuhrwarengruppen (einschl. elektrische Ausrüstungen, pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse sowie sonstige Fahrzeuge) decken mehr als zwei Drittel aller Ausfuhren ab.
  • Die Unternehmensstruktur im deutschen Außenhandel zeigt, dass die größten Unternehmen für den Löwenanteil des Außenhandelsumsatzes aufkommen. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen € erwirtschaften im Export rund zwei Drittel des Gesamtwertes (ca. 1.300 Firmen), beim Import sind es 1.120 Firmen in dieser Kategorie, die für rund 60% aller Einfuhren verantwortlich sind.

Diese Exportabhängigkeit erzeugt Risiken – zum einen durch den zwangsläufig mit einem Außenhandelsüberschuss einhergehenden Export von Kapital ins Ausland (Hinweis: Im Zuge der letzten globalen Finanzkrise ab 2008 wurden 600 Milliarden € deutsches Auslandsvermögen vernichtet), zum anderen weil die Schwellenländer und insbesondere China rasant aufholen und eher früher als später in der Lage sein werden, ihren Bedarf an Autos, Maschinen, Elektronik oder Chemie aus eigener Produktion zu decken. Darüber hinaus macht sich Deutschland durch seine Exportfixierung abhängig oder sogar erpressbar.

Der starke Einfluss der USA erschwert oder verhindert zudem den Zugang zu wichtigen Märkten, wie Russland oder dem Iran, durch den die deutsche Exportwirtschaft ihren Außenhandel diversifizieren und die Abhängigkeit von der Nachfrage aus China reduzieren könnte.

Bei digitalen Geschäftsmodellen und der Plattformökonomie ist Deutschland heute schon im Hintertreffen und hat sogar eine negative Außenhandelsbilanz gegenüber den USA (siehe: https://kubraconsult.blog/2017/09/06/digitale-geschaeftsmodelle-und-plattformoekonomie/). Mit Ausnahme von SAP und der Deutschen Telekom gibt es in der IT- und Telekommunikationsindustrie kein einziges großes deutsches Unternehmen von Weltrang (mehr). Das gilt zwar auch für die anderen Staaten der Europäischen Union, es ist aber wohl nur ein schwacher Trost, der Einäugige unter den Blinden zu sein.

Eine weitere sehr beunruhigende Entwicklung ist der Ausverkauf deutscher Schlüsselunternehmen und -technologien an ausländische „Investoren“ (insbesondere aus China und aus den USA), der sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt hat. Die Zahl chinesischer Unternehmenszukäufe oder -beteiligungen in Deutschland hat sich von 7 in 2006 auf 68 in 2016 fast verzehnfacht (siehe: http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-ma-chinesische-investoren-januar-2017/$FILE/EY-ma-chinesische-investoren-januar-2017.pdf). Darunter sind Perlen, wie der deutsche Roboterbauer Kuka, der in 2016 an den chinesischen Hausgerätehersteller Midea verkauft wurde, die KraussMaffei Group, die seit 2016 im Besitz eines Konsortiums bestehend aus der chinesischen Staatsfirma ChemChina sowie den beiden Investoren Guaxin und AGIC ist, oder aufstrebende deutsche Startups, wie Lilium Aviation aus Gilching bei München, die in 2017 ca. 90 Millionen € an Venture Capital-Firmen, wie dem chinesischen Internet-Giganten Tencent, dem Atomico-Fonds von Skype-Gründer Niklas Zennström sowie von Europas größter Investmentfirma in Familienbesitz LGT einsammelten.

Die großen deutschen DAX30-Konzerne befinden sich schon seit Jahren mehrheitlich im Eigentum ausländischer Aktionäre, während deutsche Aktionäre nur noch ca. ein Drittel der Aktien halten. Bei vier DAX30-Unternehmen sind mehr als 70 % der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand (Infineon, Deutsche Börse, Adidas und Bayer), insgesamt 18 Unternehmen sind zu mindestens 50 % im Besitz ausländischer Aktionäre. Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weisen die Lufthansa und Henkel auf, wo nur 30 bzw. 26 % der Aktien ausländischen Anlegern gehören. (siehe: http://blogs.faz.net/adhoc/2017/04/25/dax-konzerne-ueberwiegend-in-auslaendischer-hand-1387/).

Leider kommt von den Wohlstandszuwächsen aus der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bei den deutschen Arbeitnehmern relativ wenig an (siehe: https://tivot.blog/2018/02/10/unternehmensgewinne-vs-reallohne-in-deutschland-zwischen-1991-und-2016/): Einer recht übersichtlichen Steigerung der Reallöhne im 26 Jahres-Zeitraum zwischen 1991 und 2016 in Höhe von 9% (weniger als 0,35% pro Jahr) steht eine beachtliche Steigerung der Unternehmensgewinne von Kapitalgesellschaften im gleichen Zeitraum in Höhe von 76% (inflationsbereinigt) gegenüber – dabei liegt der Anstieg der Unternehmensgewinne von „nicht-finanziellen“ Kapitalgesellschaften inflationsbereinigt bei 105%, während die „finanziellen“ Kapitalgesellschaften sogar einen inflationsbereinigten Verfall ihrer Unternehmensgewinne um rund 90% hinnehmen mussten. Das ist zweifellos eine alarmierende Entwicklung, die man im Auge behalten muss. Auch im Vergleich zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das im Zeitraum von 1991 bis 2016 in absoluten Zahlen um 98,3% gestiegen ist (Anstieg von 92,3% pro Kopf in absoluten Zahlen), fällt die Steigerung der Reallöhne in Deutschland ziemlich gering aus.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Unternehmen in Deutschland ihre Gewinne nutzen, um zu investieren und dadurch ihre Produktivität bzw. Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern oder durch Ausweitung des Geschäfts neue Arbeitsplätze zu schaffen. Leider ist dies nicht der Fall. Obwohl die deutschen Unternehmen Rekordgewinne erwirtschaften und obendrein leicht an zinsgünstige Kredite kommen, wird kaum investiert. Das zeigen eindrücklich die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Die Unternehmensgewinne der deutschen Kapitalgesellschaften (ohne Banken und Versicherungen) haben sich seit 1991 verdreifacht – sie stiegen von 173 Milliarden € in 1991 auf 543 Milliarden € in 2016. Gleichzeitig fielen die die Nettoinvestitionen von 85 Milliarden € in 1991 auf knapp 20 Milliarden € in 2016 – also auf weniger als ein Viertel (siehe: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunktur-deutschland-spart-sich-sein-wachstum-kaputt-1.3541455).

Darüber hinaus ist in Deutschland die Schere zwischen denen, die viel besitzen und denen, die wenig haben, größer, als in den meisten anderen Ländern: Laut dem Global Wealth Data Book der Credit Suisse (siehe: https://www.credit-suisse.com/corporate/de/articles/news-and-expertise/the-global-wealth-report-2016-201611.html) lag Deutschland im Jahr 2016 bei der Ungleichheit der Vermögensverteilung mit einem so genannten „Gini-Koeffizienten“ von 0,79 auf Platz 117 von 172 untersuchten Ländern (0 = totale Gleichverteilung des Geldes; 1 = ein Haushalt besitzt alles, der Rest nichts). 22 von 28 EU-Mitgliedsstaaten haben eine weniger ungleiche Verteilung des Vermögens, als Deutschland, das sich auf dem Niveau von Togo und Marokko bewegt (siehe: http://www.focus.de/finanzen/geldanlage/laendervergleich-deutschland-nur-auf-platz-117-in-welchen-laendern-die-schere-zwischen-arm-und-reich-am-kleinsten-ist_id_7236465.html). Und die Ungleichheit in Deutschland wächst: 2013 lag der Gini-Koeffizient in Deutschland etwa noch bei 0,77.

In der Euro- und Flüchtlingskrise hat die deutsche Bundesregierung in den vergangenen Jahren eine Reihe gravierender strategischer Fehlentscheidungen getroffen, die u. a. den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union begünstigt und die europäische Völkerverständigung um 40 Jahre zurückgeworfen haben. Man denke nur an die Wut und den Hass in den Mittelmeerstaaten aufgrund der signifikant negativen Folgen der Austeritätspolitik in der Eurozone (Rezession, Jugendarbeitslosigkeit), die maßgeblich von der deutschen Bundesregierung zu verantworten ist, oder an die einsamen Entscheidungen der Bundeskanzlerin in der Flüchtlingskrise zur zeitweisen Aussetzung der Regelungen des Dubliner Übereinkommens zur Prüfung von Asylanträgen, durch die sich Deutschland innerhalb der Europäischen Union zeitweise isoliert hat.

Als wäre dies nicht genug, haben die „Rettung“ des Euro und der überschuldeten Mittelmeerstaaten sowie die fehlkonstruierte Eurozone dem deutschen Steuerzahler Haftungs- und Ausfallrisiken in Höhe von über 1,6 Billionen € beschert (siehe: https://tivot.blog/2018/03/16/warum-deutsche-steuerzahler-konsumenten-und-sparer-die-grossen-verlierer-des-euro-sind/). Die wackeligen Forderungen der deutschen Bundesbank gegen die Notenbanken anderer Staaten der Eurozone im TARGET2-System erreichen monatlich neue Rekordstände oberhalb von 850 Milliarden € und die Bilanz der Europäischen Zentralbank, für die Deutschland mit ca. 25,6 % haftet, wurde durch das „Quantitative Easing“-Programm der EZB auf rund 5 Billionen € aufgeplustert, ohne dass das (offiziell kommunizierte) Ziel einer Anhebung der Inflationsrate in der Eurozone auf knapp unter 2 % erreicht worden wäre.

Nachdem die deutsche Bundesregierung und insbesondere die Bundeskanzlerin in den vergangenen Jahren einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitskapazität für das reaktive Krisenmanagement von „Nebenkriegsschauplätzen“ (wie der Euro- oder der Flüchtlingskrise) verplempert haben, statt sich proaktiv und vorausschauend um die Entwicklung unseres Landes zu kümmern, ist es nach der Bundestagswahl vom 24.09.2017 nun allerhöchste Zeit, dringend notwendige Weichenstellungen einzuleiten, wenn man den Wohlstand in Deutschland mittel- bis langfristig erhalten will.

Dabei ist zu beachten, dass sich die Welt durch demographische Entwicklungen rapide verändern wird (siehe: http://www.worldometers.info/world-population/population-by-country/): Deutschland liegt laut Statistiken der Vereinten Nationen mit seiner Geburtenrate von 1,4 auf dem sechzehntletzten Platz (!) von 233 Staaten bzw. abhängigen Territorien. Mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren sind die Deutschen (neben Japanern und Italiener) die ältesten Einwohner im Quervergleich sämtlicher 233 Staaten bzw. abhängigen Territorien.

In 2050 werden ca. 5,27 Milliarden Menschen (das sind 54 % der Weltbevölkerung von 9,8 Milliarden Menschen) laut dem UN Total Population Report in den folgenden zehn Staaten leben:

  1. 
Indien: 1,66 Milliarden Einwohner
  2. 
China: 1,36 Milliarden Einwohner
  3. 
Nigeria: 410 Millionen Einwohner
  4. 
USA: 390 Millionen
 Einwohner
  5. Indonesien: 320 Millionen Einwohner
  6. Pakistan: 310 Millionen Einwohner
  7. Brasilien: 230 Millionen Einwohner
  8. Kongo: 200 Millionen Einwohner
  9. Bangladesch: 200 Millionen Einwohner
  10. 
Äthiopien: 190 Millionen Einwohner

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von China und Indien wird stark durch dieses Bevölkerungswachstum geprägt werden. Bereits in 2030 – also in knapp 12 Jahren – wird China mit einem BIP von 38,0 Billionen USD mit Abstand die größte Volkswirtschaft der Welt sein, gefolgt von den USA mit 23,5 Billionen USD und Indien auf Platz 3 mit 19,5 Billionen USD (siehe: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6336757641590767616). Deutschland wird von seinem heutigen Platz 4 sukzessive nach hinten durchgereicht und sich 2030 mit einem BIP von 4,7 Billionen USD noch auf Platz 7 der größten Volkswirtschaften befinden. In 2050 wird es noch nicht mal mehr für einen Platz unter den größten 10 Volkswirtschaften reichen.

Entscheidenden Einfluss auf den Wohlstand in Deutschland wird die Antwort auf die Frage haben, in welchem Umfang es gelingt, das Land und seine Einwohner auf zukünftige technologische Entwicklungen und deren sozio-ökonomische Folgen auszurichten bzw. vorzubereiten (siehe: https://kubraconsult.blog/2017/03/14/die-soziooekonomischen-folgen-der-digitalisierung/).

Digitalisierung, Automatisierung, „Roboterisierung“, das „Internet of Things“, die Dezentralisierung der Energieversorgung im Zuge der Umstellung auf erneuerbare Energien, Künstliche Intelligenz, Drohnen, Elektromobilität, Blockchains, Kryptowährungen, 3D-Druck, Virtual Reality, Augmented Reality oder Cyberkriminalität werden die Welt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dramatisch verändern.

Dabei müssen diese Veränderungen nicht zwangsläufig negative Folgen für Deutschland haben, wie ich anhand der folgenden Überlegung verdeutlichen möchte.

Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung haben in der Vergangenheit bereits dazu geführt, dass globale Wertschöpfungsketten einfach und flexibel verändert bzw. verlagert werden konnten – heute Tschechien, morgen Weißrussland, übermorgen Indien. Dadurch konkurrierten plötzlich Arbeiter aus Hochlohnländern der „ersten“ Welt mit Arbeitern aus Niedriglohnländern der „dritten“ Welt. Infolge dessen verlagerten in den vergangenen Jahrzehnten bereits ganze Industriezweige (z. B. Elektronik, Kleidung, Spielzeuge) ihre Produktion von den Hochlohnländern in die Niedriglohnländer und die Reallöhne in Deutschland stiegen aufgrund der von den Tarifparteien geübten „Lohnzurückhaltung“ nach der Euro-Einführung in 1999/2000 über 13 Jahre nicht an.

Was aber passiert, wenn sich durch Automatisierung und „Roboterisierung“ die Spielregeln erneut ändern, so dass Lohnkosten nicht mehr der entscheidende Faktor sind? Ein naheliegender Effekt, der ebenfalls heute schon spürbar ist, sind massive Wanderungsbewegungen von armen Ländern in reiche Länder. Als privilegierter Bewohner der „ersten“ Welt mag man dies naserümpfend als „Wirtschaftsmigration“ verunglimpfen – wenn die von mir skizzierte Entwicklung eintritt, dann wird sich das Ausmaß dieser Wanderungsbewegungen von der „dritten“ in die „erste“ Welt – nicht zuletzt befeuert durch die demographischen Entwicklungen in Afrika und Asien – in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vervielfachen.

Der Handlungsbedarf ist also groß (siehe: https://tivot.blog/2018/02/10/das-bessere-ist-der-feind-des-guten-warum-deutschland-einen-politikwechsel-braucht/) und die Schlussfolgerungen liegt eigentlich auf der Hand:

Zum einen muss die nächste deutsche Bundesregierung massiv in die Aus- und Weiterbildung seiner Bürger investieren, um sicherzustellen, dass möglichst viele Arbeitnehmer in der Lage sind, sich optimal zu qualifizieren und hochwertige Arbeiten auszuführen, die intelligente Roboter nicht so schnell verdrängen können.

Heute erzielen 44,5 % der Bürger ihr überwiegendes Einkommen aus Erwerbstätigkeit, 4,5 % sind überwiegend auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch I und II angewiesen (also Arbeitslosengeld I und II, Hartz IV), 26,3% leben überwiegend von Renten, Pensionen etc. und 24,7% werden überwiegen durch Angehörige versorgt (siehe: http://www.sozialpolitik-aktuell.de).

Der Bruttolohn von 19,5 Millionen Arbeitnehmern in Deutschland liegt unter 2.330 €/Monat – das sind ca. 44 % der aktuell ca. 44,16 Millionen Erwerbstätigen (siehe: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-12/altersarmut-grundsicherung-beschaeftigte-deutschland-gesetzliche-rente). 9,934 Millionen (22,5 %) der 44,16 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland liegen mit ihrem Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle von 10,50 € brutto pro Stunde (siehe: http://www.rp-online.de/wirtschaft/knapp-jeder-vierte-arbeitet-fuer-niedriglohn-aid-1.6888022). Die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitsplätze in diesen Einkommensklassen zunehmend durch Roboter mit Künstlicher Intelligenz verdrängt werden, ist hoch – und zwar auch in Dienstleistungsberufen, wie Verkauf, Beratung oder Alten-/Krankenpflege.

Zu anderen muss die nächste deutsche Bundesregierung durch massive Investitionen in Infrastruktur (Schulen, Verkehrswege, Breitbandnetze), durch Förderung der Forschung&Entwicklung von Zukunftstechnologien sowie durch Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für die Gründung und Entwicklung innovativer Unternehmen sicherstellen, dass das Land und seine Bürger am technischen Fortschritt nicht nur teilhaben können, sondern diesen technischen Fortschritt durch leistungsfähige, innovative Unternehmen maßgeblich gestalten können.

Die Verringerung der Abhängigkeit von US-amerikanischen Plattformunternehmen, wie Apple, Google, Facebook, Microsoft oder Amazon, ist dabei genauso wichtig, wie die Lösung der seit rund 10 Jahren andauernden Euro- und Bankenkrise und die Verringerung der Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft durch Stärkung des Binnenhandels bzw. den Schutz deutscher Schlüsselunternehmen und -technologien z. B. durch einen Staatsfonds nach norwegischem Vorbild.

Die Zeit drängt. Die neue deutsche Bundesregierung muss die bereits ungewöhnlich lange andauernde Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs nutzen und endlich mit dem Regieren anfangen, bevor sich ihre Handlungsspielräume aufgrund des früher oder später zu erwartenden nächsten Finanzcrashs deutlich verringern.